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Nosokamiale Keime

Frage
ich möchte wissen, ob Patienten mit langjährig festgestellter MSA und vier MGN Infektion weiterhin Risikopatienten sind, wenn über einen Zeitraum von 18 Monaten mit mehreren in diesem Zeitraum stattgefundenen Untersuchungen kein MRSA oder 4MRGN nachgewiesen wurde!?
Sofern die Klinik aus Sicherheit Erwägungen die Patientin nicht herab stuft, wäre zu fragen, ob die Patientin gleich wohl bei öffentlichen Veranstaltungen des Mukoviszidose E. V. Wieder teilnehmen können!? Gibt es dazu Leitlinien, Handlungsempfehlungen oder Ähnliches?
Antwort
Sehr geehrte(r) Fragesteller/in,
dies ist eine sehr berechtigte aber auch vielschichtige Frage, die nicht einfach und auch nicht pauschal zu beantworten ist. Grundsätzlich wird in Deutschland, mit dem Ziel der Prävention einer Verbreitung (Kolonisierung/Infektion) von multiresistenten Erregern (MRE), der Umgang mit MRE-kolonisierten Patienten über Empfehlungen der KRINKO geregelt (= Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI)). Die Aufgaben und Kompetenzen der KRINKO sind über das Infektionsschutzgesetz gesetzlich geregelt. Einrichtungen des Gesundheitswesens sind in der Verantwortung die Empfehlungen der KRINKO lokal, z. B. mittels dezidierter Hygienepläne und anlassbezogenen Screening-Maßnahmen, umzusetzen. Dabei sind wiederum lokale, z. B. infrastrukturelle Gegebenheiten, aber auch eine einrichtungsbezogene bzw. anlassbezogene Risikoabwägung zu berücksichtigen. Dies kann dazu führen, dass das Vorgehen häufig nicht immer einheitlich ist. Für den Status 'MRE-frei' werden i.d.R. erregerabhängig mehrere definierte 'Abstrichserien' über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten gefordert. Bestimmte Konstellationen, können z. B. dazu führen, dass man davon ausgeht, dass ein 'MRE-Verlust' zumindest erschwert ist und die Kriterien strenger auszulegen sind und längere Zeitabstände oder Probenzahlen festgelegt werden. Hier würde man zunächst auch die chronisch-pulmonale Infektion mit MRE bei Mukoviszidose einordnen, wobei zusätzlich individuelle oder situative Unterschiede eine Rolle spielen (Kontaktzeiten, Ambulanzbesuch, Reha-Maßnahme, Veranstaltungsteilnahme, etc). Ein eindeutige allgemeine Definition, wie heute bei Mukoviszidose der Status MRE-frei zu bewerten ist, insbesondere bei Kultur-Negativität unter Modulatortherapie (tatsächliche Probenqualität) m.E. noch nicht.
Alle Hygienemaßnahmen sind letztlich eine Nutzen-Risiko- bzw. Sicherheitsabwägung und dienen der Infektionsprävention und damit v.a. dem Schutz der Allgemeinheit oder von Risikogruppen vor Gesundheitsschäden. Die letzte Verantwortlichkeit liegt bei den Einrichtungen, die dann auch primäre Ansprechpartner sind. Im Krankenhaus verantwortet also v.a. die krankenhaushygienische Abteilung und/oder z.B. die Leitung der CF-Ambulanz die festgelegten Hygienemaßnahmen. Für öffentliche Veranstaltungen hat der Mukoviszidose e.V. in diesem Sinne eine Hygienerichtlinie veröffentlicht (https://www.muko.info/hygienerichtlinie), die eine Hilfestellung darstellen soll und auch auf die Eigenverantwortlichkeit von betroffenen Personen setzt. Bei Veranstaltungen liegt die letzte Verantwortlichkeit für ein schlüssiges Hygienekonzept beim Veranstalter. Als Zeitspanne für Keimfreiheit bei zuvor chronischer pulmonaler Pseudomonas-Infektion bei CF und adäquaten Kontrollen werden 12-24 Monate diskutiert. Ich hoffe diese Anmerkungen helfen Ihnen bei der weiteren Einschätzung der Sachlage.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Hogardt
08.10.2025
Die Antwort wurde erstellt von: PD Dr. med. Michael Hogardt