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Kreuzinfektionen außerhalb der Klinik vollständig
- Frage
- Hallo,
da noch Punkte vergessen hier nochmal (Entschuldigung!)
Guten Tag und Frohe Weihnachten!
Ich habe eine Frage die mich beschäftigt
.
Wie ist es wenn sich zwei Cf Patienten außerhalb der cf Klinik in einer Arztpraxis begegnen und einer der beiden Problemkeime hat (Cepacia).
Muss der Problemkeimpatient in der Praxis dann auch einen Mundschutz tragen?
Wie ist das Risiko in folgender Situation: die Praxis musste zweimal durchquert werden, das eine Mal war größerer Abstand und der Cepacia Patient trug einen Mundschutz, das zweite mal war es auf einem Flur, Abstand knapp unter einem Meter, der Cepacia Patient trug keinen Mundschutz und sagte 'Tschüß', aber der ohne Cepacia trug eine ffp 2 Maske, und ging nur fix dran vobei und desinfizierte sich nach Verlassen der Praxis sofort die Hände.
Es gab keine Behandlung oder warten im gleichen Zimmer, da die Praxis nur zweimal kurz durchquert werden musste.
Besteht hier überhaupt ein relevantes Risiko ?
Wie ist es, wenn man irgendwie zusammen im Warteraum sitzt? Oder nacheinander im Behandlungszimmer behandelt wird ?
Die Frage klingt vll etwas seltsam, aber da in der Cf Ambulanz sogar extra Tage eingeführt sind damit solche Begegnungen vermieden werden, Frage ich mich, ob es nicht besser wäre lieber die Hausarztpraxis zu wechseln, oder ob das absolut überzogen ist.
Noch eine Frage: sollte man sich anstecken - ist man nur für andere Cfler ansteckend, die eigenen Kinder und anderen Familienmitglieder kann man nicht anstecken sofern diese kein cf haben oder?
Und: wenn man Kaftrio hat, und darunter eine top Lufu (FeV 94 Prozent mef25 98 prozent) ist man dann überhaupt so weiterhin anfällig für diese problemkeime?
Und: wie lang überleben keime nach so einem Kontakt auf der Kleidung?
Viele Grüße. - Antwort
- Sehr geehrte/r Ratsuchende/r
dies ist eine sehr vielschichtige Frage. Zum einen ist Burkholderia cepacia ein Komplex (BCK) aus verschiedenen Spezies, die durchaus unterschiedliche Eigenschaften haben können. Grundsätzlich gilt aber, dass die Spezies des BCK allesamt recht widerstandsfähige Umweltbakterien sind (z.B. in Wasser, Erdboden, auf Pflanzen vorkommend), die aber zumindest gegenüber Austrocknung relativ empfindlich sind. Das Überleben auf unbelebten Oberflächen hängt von vielen Faktoren ab, wie der Beschaffenheit der Oberfläche, der Luftfeuchte, der Temperatur, der Ausgangsmenge an Bakterien, dem Milieu (z.B. abgehustet und dann noch eingebettet in Sekrettröpfchen oder indirekt über Hände abgeklascht). Übertragungen via unbelebte Oberflächen ist ohne Frage möglich. Die Datenlage zum Überleben ist eher schlecht, da nur wenige i.d.R. ältere Untersuchungen zu diesem Thema existieren. Daher ist es schwierig konkrete Zahlen zu nennen, insbesondere für spezifische Konstellationen (Autositz, Stoff, Kleidung). Meist reduziert sich bei ungünstigen Bedingungen die Keimmenge in den ersten Stunden (z.B. Verdunstung von Feuchtigkeit) deutlich, nachweisbar können die Erreger aber trotzdem länger, z.B. über 24 Stunden sein. Dies dient aber lediglich der Orientierung. Die Infektiosität hängt wiederrum von der Keimmenge und der Art des Kontaktes ab. Wenn die konkrete Möglichkeit einer medizinisch relevanten Kontamination von Oberflächen besteht, würde man immer eine Flächendesinfektion durchführen.
CF-Patienten mit Problemkeimen (z.B. BCK) sollten im besten Fall keinen Kontakt haben und beim Besuch von Einrichtungen des Gesundheitswesens, wo auch andere CF-Patienten behandelt werden, m.E. fraglos einen Mundschutz tragen. Letztlich obliegt es der jeweiligen Institution Hygienemaßnahmen festzulegen, die dazu dienen das Übertragungsrisiko von ‚Problemkeimen‘ (z.B. ‚Krankenhauskeimen‘) bestmöglich zu minimieren. Es existieren Empfehlungen der KRINKO (= Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI)) oder für CF-Veranstaltungen eine Hygienerichtlinie des Mukoviszidose e.V. Wer CF Patienten behandelt solle sich bewusst sein, dass hier nochmal besondere Hygienemaßnahmen notwendig sein können. Letztlich kann man ein Risiko aber nur adressieren, wenn man es kennt und eine gewisse eigene Verantwortung gegenüber den Mitpatienten trägt auch jeder Patient selbst.
Wenn ein CF-Patient (BCK-frei) mit FFP2-Maske an einem CF-Patienten (BCK-positiv, ohne Mundschutz) vorbeigeht halte ich eine Übertragung für maximal unwahrscheinlich. Natürlich sind auch der Abstand und auch die Kontaktzeit relevant. Es sollte ein Anstand von mindestens zwei Meter eingehalten werden, da in diesem Bereich die typischen Flüssigkeitströpfchen sedimentieren. Nochmal, in der von Ihnen beschriebene konkreten Situation halte ich das Risiko einer Übertragung für nahezu ausgeschlossen. In anderen Konstellationen (z.B. längere Wartezeit im Wartezimmer, gleicher Behandlungsraum etc.) steigt das potenzielle Risiko formal auf ein nicht konkret zu benennendes Maß an. Deswegen wäre es, unabhängig vom individuellen Risiko einer Kontaktkonstellation, die einfachste Maßnahme, diese hygienerelevanten Kontakte zu vermeiden. Daher werden in erfahrenen CF-Ambulanzen Patienten nach Problemkeimen gesondert einbestellt und meist trotzdem noch ein Mundschutz getragen. Diese Fragen sind absolut berechtigt, aber auch die besten Hygienemaßnahmen können Übertragungen nicht absolut sicher verhindern, denn sie basieren auf Empfehlungen, müssen praktikabel sein und dienen im Sinne einer Nutzen-Risiko-Bewertung letztlich der Risikominimierung.
Die Frage, ob sie die Praxis wechseln, müssen Sie eigenverantwortlich entscheiden und hängt ja auch von mehreren Faktoren ab. Das konkrete Problem (Sorge der Übertragung) zunächst zu benennen und in ‚Güterabwägung‘ Maßnahmen festzulegen ist zu überlegen.
BCK spielt bei Mukoviszidose eine ganz besondere Rolle, ggf. auch aber sehr selten bei bestimmten Erkrankungen des Immunsystems, oder anderen v.a. strukturellen Lungenerkrankungen, hat aber in der Normalbevölkerung und bei anderen Erkrankungsformen keinerlei infektiologische Relevanz. Die Erreger sind zudem ubiquitär in der Umwelt. Bei Besiedelung der Atemwege, eines CF-Patienten und engem, regelmäßigem Kontakt (Familienangehörige, Partner etc.) und damit Exposition ist es grundsätzlich denkbar, dass es zu einer Besiedelung des NON-CF-Kontaktes kommt, die dann am ehesten nur transient ist und keine Infektion zur Folge hat. BCK sind nicht an die ‚normalen, gesunden‘ Atemwege adaptiert. Menschen sind gegenüber vielen (Umwelt)-Bakterien exponiert und es kann immer mal zu untypischen kurzfristigen Besiedelungen ohne Krankheitswert kommen (Zufallsbefunde). Die individuelle Empfänglichkeit des Individuums auch bei CF spielt eine Rolle. Es gibt viele Beispiel von CF-Geschwisterkindern, die ein komplette anderes Erregerspektrum aufweisen, während in anderen Fällen nahezu identische Keimspektren vorkommen. So wird die Empfänglichkeit ohne Frage von dem Ausmaß der CF-Lungenerkrankung bestimmt. Unter Modulatoren sind Keime oft nicht mehr nachweisbar und man darf auch davon ausgehen, dass auch das Risiko einer Besiedelung mit typischen CF-Erregern geringer ist.
MfG
Dr. M. Hogardt
- 30.01.2026
- Die Antwort wurde erstellt von: PD Dr. med. Michael Hogardt








