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Infektionshäufigkeit / Infektionsanfälligkeit

Frage
Guten Tag,

ich bin männlich, 28 und habe CF mit der Mutation F508d, Pseudomonas negativ.

Seit ca. 1 Jahr darf ich Kaftrio einnehmen mit einigen Verbesserungen (nahezu kein Sputum mehr, verbesserte Verdauung, immerhin leichte Gewichtszunahme).

Mein Anliegen ist jedoch meine Infektionsanfälligkeit, die mir große Sorgen bereitet:

Beginnend mit einer COVID Infektion im November 2024 hatte ich im letzten Jahr (2025) ca. 8-9 Erkältungen/grippale Infekte. In den Jahren davor war es meisten ca. 3-4 Infekte pro Jahr. Meistens immer mit Halsschmerzen, Schnupfen, Kopfschmerzen, manchmal Husten und das für 1-2 Wochen.

Es ist auch nicht nur die reine Anzahl an vermehrten Infektionen, sondern mittlerweile folgt dies einem recht regelmäßigen Turnus: Nach überstandener Infektion dauert es ca. 5-8 Wochen bis die nächste auftritt.

Ich achte eigentlich wirklich auf eine gesunde Ernährung sowie Sport, welcher aber letztes Jahr aufgrund dessen nur marginal stattfinden konnte.

Meine (großen) Blutbilder waren stets normal/ unauffällig. Kein Mangel an Vitaminwerten sowie eine normale Leukozyten-Anzahl bzw. Reaktion, sobald eine Infektion auftritt. Auch Antikörper waren unauffällig.

Nach Kaftrio-Beginn hat sich manchmal auch der Verlauf des Infekts verändert: Bei drei Infektionen hatte ich zunächst typische Erkältungssymptome für 4-7 Tage, bis dann erst Fieber bis ca. 40 Grad für 1-3 Tage und parallel lösender Husten auftrat. Vor Kaftrio habe ich z.B. bei Covid oder Influenza sofort bereits am ersten Krankheitstag Fieber bekommen, bei normalen Erkältungen hatte ich in der Vergangenheit so gut wie nie Fieber.

Meine zuständigen Hausärzte und die CF-Ambulanz sehen keine Notwendigkeit mich näher dahingehend zu untersuchen, da mein Blutbild unauffällig sei und "es seien ja viele krank, der eine wird eben häufiger krank" oder "es geht Ihnen anschließend ja wieder gut".

Daher meine Fragen, da ich dies durchaus beunruhigend und nicht normal finde:

Gibt es Ideen, wo die Ursache für eine solche Infektanfälligkeit liegen könnte?

Welche Untersuchungen wären denn evtl. empfehlenswert?

Kann der Beginn der Kaftrio Therapie damit zusammenhängen oder ist das zeitlich zufällig und es besteht kein näherer Zusammenhang?


Über eine Einschätzung und Rückmeldung wäre ich herzlich dankbar.
Antwort
Lieber Anfragender,
Es ist gut nachvollziehbar, dass Sie sich Sorgen machen, da Sie im letzten Jahr eine Zunahme von Infekten bei sich beobachtet haben und nach möglichen Ursachen suchen. Insbesondere fragen Sie sich, ob die Therapieerweiterung mit Kaftrio/Kalydeco (Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor, ETI) dafür verantwortlich sein könnte oder ob es andere Gründe geben kann.
Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand führt die Behandlung mit Kaftrio/Kalydeco nicht zu einer erhöhten Infektanfälligkeit im Sinne eines geschwächten Immunsystems bei Menschen mit Mukoviszidose. Im Gegenteil zeigen die meisten Studien, dass ETI sich insgesamt positiv auf die Infektsituation auswirkt. Eine gesteigerte Anfälligkeit für neue Infektionen wurde bisher nicht beschrieben.
Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass viele für die Mukoviszidose typische Erreger, wie zum Beispiel Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus, trotz ETI weiterhin im Körper vorhanden sein können. Sie sind unter der Therapie möglicherweise nicht immer nachweisbar und ihre Menge nimmt häufig ab, sie werden durch ETI aber in der Regel nicht vollständig „ausgeheilt“. Bestehende Infektionen können daher weiter bestehen und müssen auch weiterhin ärztlich überwacht und gegebenenfalls behandelt werden.
Die Ursachen für eine vermehrte Infektanfälligkeit können sehr unterschiedlich und vielfältig sein. Eine eindeutige Erklärung lässt sich weder über das Internet noch durch eine allgemeine Experteneinschätzung finden. Dafür ist eine genaue Kenntnis Ihrer individuellen Befunde, Ihres bisherigen Krankheitsverlaufs und Ihrer persönlichen gesundheitlichen Situation notwendig.
Wenn Sie gemeinsam mit Ihrer behandelnden CF-Ärztin oder Ihrem behandelnden CF-Arzt keine zufriedenstellende Erklärung oder Lösung finden, kann es sinnvoll sein, eine zweite Meinung in einem anderen spezialisierten Mukoviszidose-Zentrum einzuholen. Wir sind zuversichtlich, dass sich mit einer sorgfältigen und individuellen Abklärung eine hilfreiche Unterstützung für Sie finden lässt.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre
Dr. med. Christina Smaczny
30.01.2026
Die Antwort wurde erstellt von: Dr. med. Christina Smaczny